Probefahrt mit dem Sion von Sono Motors

Seit einiger Zeit beobachte ich das Crowdfunding [1] und die Entwicklungsarbeiten für den Sion von Sono Motors.

Am 15.09.2017 ergab sich die Möglichkeit den Sion vor Ort genauer zu betrachten und eine Probefahrt über zwei Runden auf einem Industriegelände mit dem „schwarzen Protoyp“ zu absolvieren. Der „weiße Prototyp“ war foliert.

Mitarbeiter von Sono Motors
Zwei Mitarbeiter von Sono Motors – kompetent und hilfsbereit

Optik der Karosserie

Über Autostile, Trends von Nonsens-Beulen, Knicken und Kurven kann man streiten, hier ging es um Sachlichkeit und Gebrauchstüchtigkeit. Das Design der Karosserie scheint mir inspiriert zu sein vom ehemaligen Audi A2 (11/1999–07/2005), aber mit einer wesentlichen Verbesserung, dem hoch gezogenen Heck. Das schafft einen fast rechteckigen Laderaum und bei umgelegten Rücksitzen eine ebene Fläche zum Beladen auch großer Gegenstände. Ziel bei der Gestaltung war natürlich auch Flächen für die Anbringung der Solarzellen für die Gewinnung von Energie zu gewinnen.

Farbe der Karosserie

Beim Prototyp mit schwarzer Karosserie fallen die Solarpanels auf dem Dach, Haube vorne, Heckklappe und an den Seiten wenig auf, aber das schwarze E-Auto wirkt sehr trist, da schwarz alle Konturen beseitigt. Der weiße Prototyp zeigt seine optische und technische Besonderheit, die dunklen Panels offen und Weiß ist eine anerkannte Sicherheitsfarbe. Wem diese Farbe nicht gefällt, der kann seinen Sion von einem Fachbetrieb in seiner Wunschfarbe nach Auslieferung folieren lassen.

Vorteil des Sion gegenüber e.Go Life und Smart electric drive sind die vier Türen bei Außenabmessungen von 4,11 Metern und großem Radabstand. Vorne und hinten wird ein bequemer und hoher Einstieg in den Prototyp, auch für Menschen mit 1,86 Metern, geboten. Der Rahmen besteht nach Angaben aus Aluminum und Profilen, die mit Kunststoffteilen verkleidet wurden. Die Solarzellen sollen von innen abschraubbar sein, falls diese beschädigt werden.

Elektrische Ausrüstung

Das Fahrzeug hat Hinterradantrieb, der Akkupack ist im Wagenboden von unten befestigt, Lader und Leistungselektronik sind im vorderen Bereich zur gleichmäßigen Gewichtsverteilung 50:50 untergebracht. Die Elektrik ist ausgelegt auf etwa 400 Volt und einer zusätzlichen 12 Volt Batterie für Beleuchtung und andere Verbraucher. Vorhanden sind an Ladesteckern: Typ 2, CCS-Standard und CEE (AC). Eine 230 Volt Schukosteckdose ist vorne und im Gepäckabteil praktischerweise vorhanden. So kann man den eingebauten Hochvolt-Akku auch als „Notstromversorgung“ für Elektrogeräte nutzen.

Das Fahrerlebnis

Der Sion fährt sich im Prinzip wie andere E-Autos, zum Beispiel Kia Soul. Bremse treten, Start-Knopf drücken, Wahlschalter auf Drive und e-Pedal treten. Beschleunigung und Wendekreis, unter 10 Metern, sind für ein Kurzstreckenfahrzeug sehr gut. Das Fahrzeug verfügt über ein e-Pedal. Vorteil beim „Wegnehmen des Stroms“ ist, dass, je nach Stellung des e-Pedal,rekuperiert wird. D.h. der Drehstrommotor arbeitet als Dynamo und gewinnt Energie zurück. Auf der Teststrecke war auch ein stärkeres Gefälle. Der Sion war mit vier Personen besetzt und wenn man das e-Pedal losgelassen hat, wurde sehr stark abgebremst, fast bis zum Stillstand. Bremsbelagverbrauch, wie beim Verbrenner, wird es wohl kaum geben.


© Videoquelle YouTube und Urheberrecht: e-auto-journal.de

Mein Fazit der Besichtigung und Probefahrt

Ich bin positiv überrascht, wie hier von jungen und engagierten Personen ein für den Nahbereich technisch überzeugendes und praktisches E-Auto aus überwiegend handelsüblichen Bauteilen entwickelt wurde. Es sollen bisher etwa 2.000 Reservierungen für den Sion vorliegen. Etwa 12 Fahrzeuge müssen für die notwendigen Crashtests gefertigt werden, um die Straßenzulassung zu erreichen. Die zukünftige Produktion soll gesichert sein. Bis zur Fertigung werden noch einige Dinge geändert, die sich durch die Teilnehmer der vielen Probefahrten und Befragung ergeben haben. Zum Glück wurde bisher auf alle möglichen Assistenzsysteme beim Sion verzichtet.

Meine Ideen zur Optimierung des Prototyps bis zur Serie

  • Schürze vorne etwas höher setzen, da sehr gefährdet an Bordsteinen
  • Alle Schalter im Innenraum weglassen und vollständige Bedienung über das Touchdisplay in der Mitte des Armaturenbretts
  • Touchdisplay mit besserer Qualität mit weniger Spiegelungen einbauen
  • Verzicht auf Display hinter Lenkrad und Integration dieser Anzeigen in großes Touchdisplay in der Mitte des Armaturenbretts (Vorbild Tesla 3)
  • Anbringung der Sonnenblende nicht im Sichtbereich groß gewachsener Menschen
  • Fahrersitz muss niedrigere Sitz-Einstellmöglichkeit, hintere Sitzfläche, für Menschen mit langem Oberkörper haben
  • Innenraum etwas heller gestalten
  • Internetverbindung für Update der Firmware und Navigationssystem
  • Verzicht auf separate 12 Volt Batterie für Beleuchtung etc.
  • Pieper für Parksensoren vorne und hinten
  • Kupplung am Heck abnehmbar

Ausblick

Die beiden Prototypen des Solarautos SION wurden technisch entwickelt und gebaut von der Roding Automobile GmbH. Mal sehen wer bei einer geplanten Erstproduktion von 5.000 Einheiten pro Jahr der Auftragsfertiger aus dem europäischen Raum sein wird. Die Webseite berichtet, dass die Auslieferung des Sion kostenlos zunächst nur in Bremerhaven stattfindet.

Sono Motors will das Werkstatt-Handbuch als Open-Source Dokument veröffentlichen und damit jede freie Werkstatt oder jeden findigen Hobby-Schrauber mit Hochvolt-Kenntnissen in die Lage versetzen, das Solarauto zu reparieren.

[1] Die Unterstützer erhalten eine nicht-finanzielle Gegenleistung. Oftmals ist dies eine Ausfertigung des Projektergebnis. Da es sich dann um eine Art Vorverkauf handelt, ist diese Form des Crowdfunding als Test für das Marktpotential einer Idee geeignet.

 

Werbung